In Berlin hat heute der Schulalltag begonnen – Anlass für eine Reflexion zur aktuellen Schuldebatte. Dieser Artikel erscheint in verkürzter Form auch im kommenden Juliversum.
Es gibt eine Geschichte, die beginnt so: Das Lügen wurde nie erfunden, die ganze Welt ist ehrlich bis aufs Mark. Und damit auch brutal. Schon Kinder werden als Versager oder Sieger klassifiziert, Makel tragen sie nicht nur mit sich herum, sie werden auch ständig darauf angesprochen. „Ich liebe dich zwar, wünschte aber eine klügere Tochter zur Welt gebracht zu haben“, könnte die Mutter ihrer fünfjährigen, etwas tollpatschigen Tochter an den Kopf werfen. Einfach so. Weil es ihr gerade in den Sinn kam. Das Innerste wird nach außen gekehrt, und gerade deshalb bleibt kein Platz zum Menschsein: Man ist gemein zueinander und findet sich damit ab.
Die Schule ist ein ähnlicher Ort. Von Beginn an gibt es die „Guten“ und die „Schwächeren“, die „Braven“ und die „Chaotischen“. Noten sind die Key Performance Indicators, der Betrieb Schule steuert damit, was mit den Kindern geschieht: Die einen werden mit zehn oder zwölf in die Hauptschule abgeschoben, die anderen dürfen schon mal vom unbeschwerten Studentenleben träumen.

